Drei Jahre alt. Eigentlich noch ein Kleinkind. Und plötzlich bedient es ein Computerspiel mit einer Selbstverständlichkeit, bei der Erwachsene zweimal hinschauen.
Genau eine solche Beobachtung kann Eltern zunächst einmal ziemlich überraschen.
Da sitzt ein dreijähriges Kind vor einem Spiel, das definitiv nicht für dieses Alter gedacht ist.
Die Konsequenz sollte entsprechend eindeutig sein:
SPIEL BEENDET. 🚨
Doch bevor das Gerät ausgeschaltet wird, fällt etwas Bemerkenswertes auf.
Das Kind drückt nicht einfach wahllos irgendwelche Knöpfe.
Es bewegt sich gezielt durch die virtuelle Umgebung.
Es orientiert sich.
Es kennt unterschiedliche Funktionen.
Es reagiert auf Situationen.
Es wechselt Gegenstände beziehungsweise Waffen.
Und die gesamte Bedienung wirkt derart selbstverständlich, als würde dort ein wesentlich älteres Kind spielen.
Da stellt sich plötzlich eine interessante Frage:
WIE KANN EIN DREIJÄHRIGER SO ETWAS SCHON BEHERRSCHEN? 😳🧠
Und noch viel wichtiger:
Steckt hinter dieser Beobachtung möglicherweise eine Fähigkeit, die sich auf vollkommen andere und altersgerechte Weise fördern lässt?
Das Computerspiel selbst ist eigentlich gar nicht das Spannende
Eines sollte dabei nicht verwechselt werden.
Dass ein Kleinkind ein bestimmtes Spiel technisch bedienen kann, bedeutet noch lange nicht, dass dieses Spiel deshalb für das Kind geeignet ist.
KÖNNEN und SOLLEN sind zwei vollkommen unterschiedliche Dinge.
Viel interessanter ist deshalb die Frage:
Was passiert eigentlich im Kopf eines Kindes, das ein komplexeres digitales System scheinbar problemlos bedienen kann?
Denn dafür können verschiedene Fähigkeiten zusammenspielen.
Das Kind muss erkennen, welche Eingabe welche Reaktion verursacht.
Es muss sich räumlich orientieren.
Es muss Bedienungsabläufe abspeichern.
Es muss bestimmte Symbole oder Funktionen wiedererkennen.
Und es muss Gelerntes im richtigen Moment anwenden.
Das ist wesentlich interessanter als die Frage, ob ein Dreijähriger besonders gut „zocken“ kann.
NICHT DAS SPIEL IST SPANNEND – SONDERN DIE FÄHIGKEIT DAHINTER. 🧠
Kinder lernen unglaublich viel durch Beobachtung
Eine mögliche Erklärung ist dabei ziemlich simpel.
Kleine Kinder beobachten ihre Umgebung permanent.
Besonders ältere Kinder können dabei zu unfreiwilligen Lehrmeistern werden. 😁
Welche Taste wird gedrückt?
Wie bewegt man eine Figur?
Wie wird etwas ausgewählt?
Was passiert anschließend?
Ein kleines Kind muss dafür nicht einmal aktiv unterrichtet werden.
Es schaut zu.
Es speichert ab.
Und irgendwann probiert es selbst.
Das Interessante ist deshalb möglicherweise nicht einmal, dass ein Dreijähriger bestimmte Funktionen beherrscht.
Bemerkenswert kann vielmehr sein, wie schnell er beobachtete Abläufe versteht, speichert und anschließend selbstständig reproduziert.
Vielleicht ist Gaming überhaupt nicht die besondere Fähigkeit
Genau an diesem Punkt lohnt sich ein Perspektivwechsel.
Aus wenigen Minuten an einem Computerspiel lässt sich selbstverständlich keine Hochbegabung diagnostizieren.
Das wäre vollkommen unseriös.
Aber eine solche Beobachtung kann Anlass sein, genauer hinzuschauen.
Möglicherweise zeigt das Kind besondere Stärken bei:
VISUELL-RÄUMLICHEM DENKEN.
HAND-AUGE-KOORDINATION.
SCHNELLER AUFFASSUNGSGABE.
GEDÄCHTNIS FÜR ABLÄUFE.
URSACHE UND WIRKUNG.
BEOBACHTUNGSLERNEN.
PROBLEMLÖSUNG.
Und genau diese Fähigkeiten lassen sich wunderbar fördern, ohne dass dafür ein Kleinkind vor einem ungeeigneten Computerspiel sitzen muss.
Kein Roblox? Dann eben BAUEN! 😁🧱
Wer bei einem kleinen Kind eine solche Auffassungsgabe beobachtet, kann ganz einfach ausprobieren, ob sich dieselben Fähigkeiten auch in anderen Situationen zeigen.
Zum Beispiel mit:
Duplo und altersgerechten Konstruktionsspielen.
Magnetbausteinen.
Kugelbahnen.
Puzzles.
Memory.
Labyrinthen.
Sortier- und Zuordnungsspielen.
Geschicklichkeitsaufgaben.
Einfachen technischen Experimenten.
Später können daraus möglicherweise altersgerechte Robotik, Logikspiele oder erste spielerische Coding-Systeme werden.
Nicht als Unterricht.
Nicht als Leistungsprüfung.
Sondern:
SPIELEN. AUSPROBIEREN. BEOBACHTEN. ❤️
Der wirklich interessante Test ist etwas vollkommen NEUES
Dabei gibt es allerdings einen entscheidenden Punkt.
Wenn ein Kind anderen Menschen bereits häufig bei einer bestimmten Tätigkeit zugesehen hat, ist schwer einzuschätzen, wie außergewöhnlich seine eigene Bedienung tatsächlich ist.
Deshalb ist eine andere Beobachtung wesentlich spannender:
WAS PASSIERT BEI ETWAS, DAS DAS KIND NOCH NIE GESEHEN HAT?
Ein neues Puzzle.
Eine unbekannte Kugelbahn.
Eine Konstruktion, die nachgebaut werden soll.
Ein neues Geschicklichkeitsspiel.
Eine Aufgabe mit mehreren aufeinanderfolgenden Schritten.
Und dann einfach beobachten.
Wie schnell versteht das Kind das Prinzip?
Wie lange erinnert es sich daran?
Findet es selbst einen Lösungsweg?
Erkennt es Muster?
Überträgt es eine bekannte Lösung auf ein neues Problem?
Genau dort lässt sich viel besser erkennen, ob möglicherweise tatsächlich eine ungewöhnlich schnelle Auffassungsgabe vorhanden ist.
Aber bitte keinen kleinen Einstein daraus machen! 😂🧠
Gerade wenn ein kleines Kind etwas Außergewöhnliches macht, liegt eine Versuchung nahe:
„MEIN KIND IST HOCHBEGABT!“
Moment. 😁
Eine einzelne Beobachtung reicht dafür selbstverständlich nicht.
Kinder entwickeln sich unterschiedlich schnell und besitzen unterschiedliche Interessen und Stärken.
Ein Kind kann in einem bestimmten Bereich weit voraus sein und sich in einem anderen vollkommen altersentsprechend entwickeln.
Und vor allem:
EIN DREIJÄHRIGER DARF EINFACH DREI JAHRE ALT SEIN. ❤️
Es braucht keinen Lebenslauf.
Keine Leistungsziele.
Keine Optimierungsstrategie.
Und definitiv keinen Wettbewerb mit anderen Kindern.
Wenn eine besondere Stärke vorhanden ist, wird sie nicht dadurch besser, dass Erwachsene sofort Druck daraus machen.
FÖRDERN bedeutet nicht FORDERN
Vielleicht ist genau das die wichtigste Erkenntnis.
Gute Förderung bedeutet nicht:
„Du kannst das gut, also musst du jetzt noch besser werden!“
Sondern:
Möglichkeiten anbieten.
Neugier unterstützen.
Neue Dinge zeigen.
Selbst ausprobieren lassen.
Und genau beobachten, woran das Kind wirklich Freude entwickelt.
Ein Kind, das außergewöhnlich schnell technische Abläufe versteht, wird möglicherweise irgendwann Konstruktion lieben.
Oder Programmierung.
Oder Mathematik.
Oder Technik.
Oder etwas vollkommen anderes.
Mit drei Jahren muss das niemand wissen.
DIE TÜR KANN MAN ÖFFNEN – HINDURCHGEHEN MUSS DAS KIND SELBST. ❤️
Und vielleicht steckt genau darin das eigentlich Faszinierende einer solchen Beobachtung.
Ein Computerspiel, das für ein dreijähriges Kind überhaupt nicht geeignet ist, kann trotzdem zufällig etwas sichtbar machen:
Wie schnell dieser kleine Kopf lernt.
Das Spiel kann ausgeschaltet werden.
Die Neugier sollte man deshalb noch lange nicht ausschalten.
Denn manchmal schauen kleine Kinder den Großen scheinbar nur beim Machen zu.
Und irgendwann stellt man erstaunt fest:

Schreibe einen Kommentar