Wer zu 180 Tagessätzen wegen Betrug verurteilt wurde, stellt sich früher oder später eine ganz konkrete Frage: Wie lange bleibt dieser Eintrag eigentlich im Bundeszentralregister (BZR) gespeichert?
Die Antwort ist juristisch klar geregelt – aber vielen Betroffenen nicht bekannt.
Was ist das Bundeszentralregister überhaupt?
Das Bundeszentralregister (BZR) wird vom Bundesamt für Justiz geführt. Dort werden strafrechtliche Verurteilungen gespeichert.
Wichtig:
Das BZR ist nicht identisch mit dem polizeilichen Führungszeugnis. Das Führungszeugnis ist lediglich ein Auszug aus dem BZR – und enthält nicht alle Einträge.
180 Tagessätze – Welche Frist gilt?
Bei einer Verurteilung zu mehr als 90 Tagessätzen – und damit auch bei 180 Tagessätzen – gilt grundsätzlich:
➜ Tilgungsfrist: 15 Jahre
Das bedeutet:
Der Eintrag bleibt im Bundeszentralregister 15 Jahre gespeichert, bevor er getilgt wird.
Die Frist beginnt mit dem Tag des ersten Urteils.
Nach Ablauf der Tilgungsfrist darf die Verurteilung rechtlich nicht mehr verwertet werden (§ 51 BZRG).
Warum sind es 15 Jahre?
Das Bundeszentralregistergesetz (BZRG) unterscheidet zwischen:
Geldstrafen bis 90 Tagessätze
Geldstrafen über 90 Tagessätze
Freiheitsstrafen
schweren Straftaten
Eine Geldstrafe über 90 Tagessätzen gilt rechtlich nicht mehr als „geringfügig“. Deshalb ist die Tilgungsfrist deutlich länger als bei kleineren Strafen.
Unterschied: BZR vs. Führungszeugnis
Hier liegt oft das größte Missverständnis.
Bundeszentralregister (BZR)
Vollständige Speicherung
15 Jahre bei 180 Tagessätzen
Führungszeugnis
Enthält nur bestimmte Einträge
Geldstrafen über 90 Tagessätze erscheinen grundsätzlich im Führungszeugnis
Die Aufnahme ins Führungszeugnis endet meist früher als die BZR-Tilgungsfrist
Das heißt:
Ein Eintrag kann im Führungszeugnis bereits nicht mehr erscheinen, obwohl er im BZR noch gespeichert ist.
Was kann die Frist verlängern?
Die 15 Jahre gelten nur, wenn in dieser Zeit keine weiteren relevanten Verurteilungen hinzukommen.
Kommt eine neue Straftat hinzu, können sich Tilgungsfristen gegenseitig beeinflussen oder neu berechnet werden.
Praktische Bedeutung
Ein BZR-Eintrag kann relevant sein bei:
bestimmten behördlichen Verfahren
Einbürgerung
waffenrechtlichen Erlaubnissen
Sicherheitsüberprüfungen
Für normale Bewerbungen ist in der Regel das Führungszeugnis entscheidend – nicht das BZR selbst.
Fazit
Eine Verurteilung zu 180 Tagessätzen wegen Betrug bleibt grundsätzlich 15 Jahre im Bundeszentralregister gespeichert.
Wer wissen möchte, ob und was konkret gespeichert ist, kann eine Selbstauskunft beim Bundesamt für Justiz beantragen.
Rechtliche Fragen im Einzelfall sollten jedoch immer individuell geprüft werden – insbesondere wenn es um berufliche oder behördliche Konsequenzen geht.
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