Der Lohn

Schöne Worte aus dem Irak, die es wert sind, ein paar Minuten darüber nachzudenken:

Der Bagdader Mystiker Schibli starb im Jahre 945.
Nach seinem Tode sah ihn einer seiner Freunde im Traum und fragte ihn: „Wie hat Gott dich behandelt?“
Er sagte: „Er hat mich vor sich gestellt und gefragt: ‚Abu Bakr, weißt du weshalb ich dir vergeben habe?‘
Ich sagte: ‚Wegen meiner guten Werke.‘
Er sagte: ‚Nein.‘
Ich sagte: ‚Wegen meiner Pilgerfahrt und meines Fastens und meiner Pflichtgebete.‘
Er sagte: ‚Nein, nicht deshalb habe ich dir vergeben.‘
Ich sagte: ‚Wegen meiner Reisen, um Wissen zu erwerben, und weil ich zu den Frommen ausgewandert bin.‘
Er sagte: ‚Nein!‘
Ich sagte: ‚O Herr, dies sind die Werke, die zur Rettung führen, und die habe ich über alles gestellt und bei denen habe ich gedacht, daß du mir ihretwegen vergeben würdest.‘
Er sprach: ‚Doch nicht um all dieser Dinge habe ich dir verziehen.‘
Ich sagte: ‚O Herr, weshalb denn?‘
Da sagte er: ‚Erinnerst du dich, wie du durch die Gassen Bagdads gingst und ein Kätzchen fandest, daß vor Kälte ganz schwach geworden war und von Mauer zu Mauer lief, um Schutz vor der schneidenden Kälte und dem Schnee zu suchen, und du hast es aus Mitleid aufgehoben und in deinen Pelz gesteckt und hast es damit vor der Qual der Kälte geschützt und ihm damit das Leben gerettet?‘
Ich sagte: ‚Ja, ich erinnere mich.‘
Er sprach: ‚Weil du mit dieser Katze Erbarmen hattest, darum habe ich mich deiner erbarmt‘.“

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