Die drei Streitsüchtigen

Eine afrikanische Fabel, die unser Leben und Streben so herrlich auf den Punkt bringt:

Ein Reicher, ein Starker und ein Kluger stritten lange, wer von ihnen der Wertvollere sei. Schließlich beschlossen sie, irgend jemanden zu finden, der ihren Streit schlichten könne. Sie machten sich auf den Weg und erblickten bald eine Hütte, lehnten ihre Speere an dieselbe und gingen hinein. Auf dem Boden der Hütte lagen viele Menschenknochen. Da begriffen die Streitsüchtigen, daß sie in die Hände eines Menschenfressers gefallen waren.

Ehe sie noch fliehen konnten, stand plötzlich der Menschenfresser vor ihnen. Eilig zog er die Tür hinter sich zu und fragte den Reichen, warum er hierher gekommen sei. Der Reiche antwortete: „Ich weiß nicht mehr, warum ich hierher gekommen bin.“ Dann fragte er den Starken. Jener sagte: „Ich habe vergessen, warum ich nach hier kam.“ Schließlich meldete sich der Kluge zu Wort: „Zuerst sollte man doch seine Gäste fragen, wie es ihnen geht, und dann erst, warum sie gekommen sind!“

Der Menschenfresser gab ihnen zu essen und zu trinken. Dann sagte der Kluge: „In deiner Hütte ist es so heiß. Wir wollen lieber an die frische Luft gehen, uns in den Schatten eines Baumes setzen und nachdenken, warum wir hierher gekommen sind.“

Der Menschenfresser schloß die Tür wieder auf. Alle drei überschritten die Schwelle, ergriffen ihre Speere und eilten davon. Der Kluge rief dem Menschenfresser noch zu: „Jetzt ist es uns wieder eingefallen, warum wir dich aufgesucht haben, aber deine Hilfe brauchen wir nun nicht mehr!“

Als sie schon weit von der Hütte des Menschenfressers entfernt waren, fragte der Kluge: „Wer von euch ist denn nun der Wertvollere?“ Da schwiegen der Reiche und der Starke.

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