Fabeln sind interessanter

Als mich neulich eine gute Freundin angerufen hat, um mir ihr Leid mit ihrem Freund zu klagen, habe ich, ehrlich gesagt, nur mit einem Ohr hingehört. Nebenbei hatte ich im Internet folgende Geschichte gefunden, die ich einfach interessanter fand:

Als die Athener einmal in einer Volksversammlung den Redner Demosthenes am Sprechen hinderten, sagte er, er wolle ihnen eine kurze Geschichte von Äsop erzählen. Als sie schwiegen, begann er:

„Ein Jüngling mietete sich zur Sommerzeit einen Esel, um von der Stadt nach Megara zu reiten. Als es Mittag war und die Sonne unbarmherzig brannte, wollten sich der Eseltreiber, aber auch der junge Mann in dessen Schatten setzen. Sie suchten sich nun gegenseitig daran zu hindern, wobei der eine darauf hinwies, er habe zwar den Esel, nicht aber dessen Schatten vermietet, und der andere erwiderte, er habe den Esel mitsamt seinem Schatten gemietet.“
Nach diesen Worten schickte sich Demosthenes an fortzugehen. Als ihn nun die Athener zurückhielten und ihn baten, ihnen doch die Geschichte zu Ende zu führen, rief er: „Wie? Wenn es um eines Esels Schatten geht, wollt ihr zuhören, wenn einer aber über ernsthafte Dinge spricht, wollt ihr ihn nicht hören?“

Plutarch von Chäronea, (etwa 50 – 120), griechischer Philosoph, Historiker und Konsul von Griechenland

…als meine Freundin dann davon erzählte, dass ihr Freund eine gute Freundin habe, die bei Gucci im Lager die neueste Kollektion zum Einkaufspreis besorgen könne, habe ich plötzlich mit beiden Ohren zugehört. Komisch, oder? Die Theorie gilt also nicht nur für Fabeln, sondern generell bei interessanten Themen.

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